Ergebnisse 

Was fehlt bei Hartz IV?

Zum Lebensstandard der Empfänger von Leistungen nach SGB II

Eine zentrale Frage unserer Studie ist ob bzw. inwieweit das Arbeitslosengeld II ausreicht, einen angemessenen Lebensstandard für die Leistungsempfänger zu gewährleisten. Viele Studien bleiben hier relativ abstrakt und untersuchen lediglich das verfügbare Einkommen der Betroffenen. Wir verfolgen in der vorliegenden Studie zusätzlich einen anderen Ansatz, bei dem untersucht wird, was die Betroffenen tatsächlich haben und was sie sich leisten können, unabhängig davon, ob sie diese Dinge nun aus Einkommen finanzieren, aus Ersparnissen oder ob sie bestimmte Güter noch aus Zeiten vor dem Leistungsbezug besitzen. Hierfür haben wir allen Haushalten unserer Studie eine Liste mit 26 verschiedenen Gütern vorgelegt und gefragt, was davon die Menschen haben und was sie sich nicht leisten können.

Zusätzlich haben wir auch gefragt, wie wichtig die einzelnen Güter nach Ansicht unserer Befragten sind, sodass wir bei der Berechnung eines zusammenfassenden Maßes weniger wichtige Güter auch in entsprechend geringerem Umfang berücksichtigen können. Besonders wichtig finden die Befragten dabei neben Nahrung und Kleidung vor allem den Zustand und die Ausstattung der Wohnung sowie die pünktliche Bezahlung von Miete und Nebenkosten. Von mittlerer Wichtigkeit sind Auto und Fernsehen sowie Geld für unerwartete Ausgaben und medizinische Zusatzleistungen. Als weniger wichtig bezeichnen die Befragten Urlaub, Restaurantbesuche und kulturelle Aktivitäten wie Kino, Konzert oder Theater.

Prozentuale Übersicht über die Relevanz verschiedener Güter für den Lebensstandard in der Gesamtbevölkerung

Bei der Untersuchung der tatsächlichen Güterausstattung der Befragten zeigt sich, dass die wichtigsten Bedürfnisse an Nahrung, Kleidung und Wohnung auch bei den Empfängern von Arbeitslosengeld II weitgehend abgedeckt sind, so dass es hier nur geringe Versorgungsdefizite gibt. 

Prozentuale Unterversorgung mit relevanten Gütern des Lebensstandards: Vergleich von Empfängern und Nichtempfängern des Arbeitslosengeld II

Allerdings fehlen den Leistungsempfängern selbst in diesem Bereich einige Güter deutlich häufiger als der übrigen Bevölkerung. So können sich z.B. sechs Prozent keine tägliche warme Mahlzeit und 17 Prozent keine ausreichende Winterkleidung leisten. Insgesamt gesehen decken die Leistungen des Arbeitslosengeldes II aber den Grundbedarf in ausreichender Weise ab. Anders ist dies dort, wo es um über den unmittelbaren Grundbedarf hinausgehende Bedarfe geht. Hier ist der Lebensstandard der meisten Leistungsempfänger teilweise deutlich eingeschränkt. Dies trifft insbesondere auf den Bereich der kulturellen Teilhabe zu.

Der komplette Bericht zum Lebensstandard der Empfänger von Leistungen nach SGB II kann unter http://www.gesis.org/fileadmin/upload/forschung/publikationen/zeitschriften/isi/isi-40.pdf nachgelesen werden.

Warum brauchen Menschen mit Job Hilfe vom Staat?

Teilzeit, Niedriglohn und hoher Bedarf machen Aufstockung nötig.

Nicht nur bei Arbeitslosen, sondern auch bei Menschen mit Job kann das Einkommen zu gering zum Leben sein. Der fehlende Betrag kann dann durch Arbeitslosengeld II aufgestockt werden. Mehr als 1 Mio. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erhalten diese Unterstützung. Wie diese Situation verbessert werden kann, hängt davon ab, warum sie Hilfe brauchen. Das kann mit der Befragung „Lebensqualität und soziale Sicherung“ nun besser untersucht werden.

Zusätzliches Arbeitslosengeld II bekommen Erwerbstätige vor allem aus drei Gründen:

  1. Geringe Arbeitszeiten (unter 35 Stunden pro Woche).
  2. Geringe Stundenlöhne (unter 7,50 Euro).
  3. Hoher Bedarf (vier oder mehr Personen im Haushalt).

Bei den meisten Aufstockerinnen und Aufstockern hat die Bedürftigkeit allerdings mehrere Gründe. Dabei ist die Kombination aus geringer Arbeitszeit und geringem Stundenlohn am häufigsten – mehr als 40 Prozent sind in dieser
Situation. Für etwa jeden zehnten Aufstocker treffen sogar alle drei Gründe zu. Nur bei gut einem Drittel lässt sich ein einzelner Grund ausmachen – eine geringe Arbeitszeit pro Woche ist dabei mit fast 19 Prozent am häufigsten.

Kriterien für den zusätzlichen Bedarf an Arbeitslosengeld II (in Prozent)

Was machen junge Menschen in ihrer Freizeit?

Musik hören und Freunde treffen führen die Liste an.

Junge Menschen verbringen ihre Freizeit sehr häufig mit Freunden. Sie hören oft Musik, sehen fern oder surfen und chatten mindestens einmal pro Woche im Internet. Die Freizeit dient aber nicht nur der passiven Entspannung, wie jungen Menschen oft unterstellt wird. Weit mehr als zwei Drittel treiben auch aktiv Sport oder arbeiten am Computer.

Ehrenamtliches Engagement und religiöse Veranstaltungen rangieren hingegen an letzter Stelle. Junge Frauen und Männer bevorzugen dabei unterschiedliche Aktivitäten: Während erstere in ihrer Freizeit häufiger Bücher oder Zeitschriften lesen, verbringen Männer mehr Zeit am Computer.

Prozentualer Überblick über Aktivitäten, mit denen 15- bis 24-Jährige ihre Freizeit verbringen